Dienstag, 5. April 2011

Berlin, Frühlingsabend

.... und dann kam ich in die U-Bahnstation, und er war wieder da. Ich schickte gefühlt ein Stoßgebet ins Nirwana, wartete bis zum Ende des Liedes und dann... habe ich ihn tatasächlich angesprochen: eine Liebeserklärung an seine Musik.
Vielleicht liegt es nur daran, dass U-Bahngleise eine verdammt gute Akustik haben, aber stell dir vor, geneigter Leser, du triffst an den ohnehin schon zauberhaftesten Abenden Jeff Buckley auf dem Weg nach Hause und er gibt ein Privatkonzert an ein zufällig zusammengewürfeltes Publikum und die Musik bleibt die ganze U-Bahnfahrt über. Jeff Buckley fühlt sich dieser sanfte Gesang an, mit allen Nuancen einer guten alten E-Gitarre (mit Verstärker). Er kommt nirgendwoher, er spricht Englisch, ohne erkennbaren Akzent und den Berliner Standard an Minimaldeutsch. Er macht Musik im öffentlichen Nahverkehr, weil ihm das Lieber ist, als nen blöden Job zu haben und sammelt Geld für seine Band. Ich hab nicht genug Ahnung, um zu wissen, ob er auch Lieder selbst schreibt, aber das, was er spielt, macht die gefließten Tunnel im nächtlichen Mitte sauber, edel, richtig.
Dann kam ich also nach Hause und wurde von meinem Mitbewohner daran erinnert, dass es noch Pink Floyd gibt. Diesmal nur lallend und youtubend, aber sei's drum. Und bevor ich mich weiter von einem anderen Leben in einer anderen Haut träume und mich berauscht vom Leben nach Hinten lehne und einschlafe, lasst mich noch sagen:
Wenn ihr nachts mit der U-Bahn durch Mitte fahrt, und da Gitarrenklänge von einem jungen Mann mit halblangen, dunklen Haaren, Lederjacke, -stiefeln und enger Hose kommen, steigt aus, hört einen Zug oder zwei lang zu, es lohnt sich. Das ist dann nämlich bestimmt jener Stadtbekannte Troubadour.

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